Räumungsgeburtstag

(so ein beschissener Titel)

Die Liebig 14 versuchte sich in den folgenden drei Jahren stadtpolitisch wie juristisch gegen die drohende Räumung zu wehren. Runde Tische wechselten sich mit militanten Aktionen oder satirischen Aktionen auf der Straße ab – eine eher seltene Kombination, bei der die Heterogenität der Bewohner*innenschaft hilfreich war. […] Auf diesem Wege wurde aus einem eher unscheinbaren legalisierten Haus ein stadtpolitisches Symbol. Deshalb waren ein Jahr nach dem Festival nicht nur die Scheiben einiger Bankautomaten kaputt – es gab Solidemos und Aktionen in den meisten Mittelstädten in Deutschland und darüber hinaus. So demonstrierten 300 Leute in Kopenhagen und in Tel Aviv protestierten 20 Personen mit Transparenten vor der deutschen Botschaft. [aus dem Text zur L14 bei Besetzensowieso]

Fast 15 Jahre ist das also her! Dieser Morgen, wo wir sehr früh von der Strasse vor der Liebig 14 geprügelt wurden. Und in der Bäckerei 2000 versteckten. Erfolglos Wege suchten. Dinge kaputt machten. Immer mehr wurden. Ticker verfolgten – traurig wurden und wütend. Uns über gefärbtes Wasser freuten. Mit ein paar tausend Wütenden keinen Bankautomaten mehr ganz gelassen haben. Wo wir den Überblick verloren haben vor lauter Soliaktionen…



Es wäre jetzt natürlich der Moment zu rekapitulieren.

Warum es damals so gescheppert hat und warum wir trotzdem verloren haben. Ob und wenn ja was wir zur Revitalisierung der Berliner Mieter_innenbewegung beigetragen haben. Was sich seither verändert hat und was nicht, was richtig und nachahmenswert war und was wir keinesfalls empfehlen würden. Wo eigentlich die ganzen Leute hin sind, mit denen wir damals auf den Straßen waren – demonstriert, blockiert oder Steine geworfen haben?

Überhaupt: Was ist übrig, was neu entstanden und wohin kann es gehen?

Irgendwer müsste das alles mal rekapitulieren. Ich bin nicht dieser Irgendwer. Ich spiele nur ein bisschen Geige an der Straßenecke und freue mich sehr, dass Mary das auch tut. Fast wie vor 14 Jahren, ein Jahr nach der Räumung, als auch diese krasse Zombiedemo stattgefunden hat.
Im Jahre zwei nach der Räumung gab es noch eine satirische Demo, dann war die Luft erstmal raus. Trotzdem werde ich jedes Jahr am 2. 2. wütend. Gut, diesen Ärger auch auf der Strasse zeigen zu können. Bis gleich!

PS.: Ich sehe natürlich, dass solche Kundgebungen usw. fast zynisch wirken können, wenn ich nach Iran, Rojava oder auch in die USA schaue. Was für eine Selbstbeschau angesichts wirklicher existenzieller Probleme! Einerseits. Andererseits: Nur durch die (sozialen) Kämpfe, die wir hier führen, können wir die Kraft zu effektiver Solidarität gewinnen. Und dazu gehört auch der Blick zurück. Und insofern macht diese Kundgebung glaube ich Sinn. Sie schafft einen Anlass für Reflektionen, die bei der Gestaltung der Zukunft helfen. Hoffentlich!

In diesem Sinne! NIEDER MIT DEM KAPITALISMUS! L14 forever!

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