Eigentlich ist es schwer vorstellbar Konzerte zu spielen gerade. Wenn ich eins spiele denke ich immer, am Ende bleibt nur noch eine schnell verdunstende Pfütze von mir übrig mit Resten einer Geige darin. Senftenberg (oder Zły Komorow) aber hat einen See, der als ehemalige Braukohlegrube ziemlich tief und deshalb recht kühl ist. Da kann ich vor und nach der Veranstaltung hineinspringen. In der Wendischen Kirche, in die Veranstaltung der Hitze wegen verlegt wurde, soll es auch kühler sein als draußen. Vielleicht doch gar nicht so schlecht in die Łužyca zu fahren. Da haben sie sogar einen Songtitel von mir zur Überschrift gemacht:
DER ZEITSTRAHL IST ZERBROCHEN …
Eine Buchvorstellung einer Biografie von 4 Linkskommunisten in den Mühlen der Zeit.
“ADAM SCHARRER (1889 – 1948) und Genossen: Linkskommunistische Kritik am „Zeitstrahl der gesetzmäßigen Entwicklung” und am Kommandosystem von Bolschewiki und KPD – Irrweg oder Inspiration für Nachdenken über Demokratie, Opposition und Revolution in unübersichtlicher Zeit?
Vortrag und Gespräch mit Dr. Rhena Stürmer (Universität Leipzig, Förderpreisträgerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg 2025) und Musik von Paul Geigerzähler (Violine).”
26. 6. Senftenberg/Zły Komorow – Seenland Buchhandlung
Wir haben Text und Musik schön miteinander verwoben (ganz anders als in Potsdam, wo Musik und Biografie unverbunden nebeneinander standen). Das Buch hab ich vor einer Weile auch besprochen.


In glühender Hitze geht es am Sonnabend weiter (ich spiele nicht, sondern gehe nur hin und hoffe, dass wir viele werden!). Und zwar um 12 auf dem Berliner Invalidenpark. Die dort stattfindende Demo gegen Sozialabbau ist zur Kundgebung geworden, was die Hitze vielleicht etwas weniger heiß werden lassen könnte. Etwaigen Bedenken, diese Demo/Kundgebung wäre nicht radikal genug (was stimmt aber nichts zur Sache tut), möchte ich Folgendes entgegenhalten:
Da sind ja auch Leute wie BASTA am Start auf die ich aus wirklich langjähriger Erfahrung viel gebe. Und es sind glaube ich noch ein paar mehr. Thematisch bin ich froh, dass da was kommt, auch wenn ich es schade finde, dass das eher beim DGB und der Linkspartei stattfindet und zu wenig bei den radikaleren Organisationen wie z.B. der FAU. Aber die Bedeutung dieser “Reformen”, die mit der Agenda 2010 vergleichbar ist, lässt glaube ich keine Zeit zum wählerisch sein. Hinzu kommt (und das wird immer bedrohlicher), dass diese sogenannten Reformen bei Ausbleiben linken Widerstands ein regelrechter Erfolgsgarant für die Arschlöcher für Deutschland sein dürften, was gleichzeitig die Kräfteverhältnisse weiter zu Ungunsten der Lohnarbeiter:innen, Prekären, Erwerbslosen und Mieter:innen (also uns!) verschieben dürfte. Ein sich selbst antreibender Kreislauf der Hölle, der unbedingt durchbrochen werden muss!

An dieser Stelle ist es vielleicht auch auch ein guter Moment meine (persönliche) Reflektion der Agenda2010 – Proteste aus der Schublade herauszukramen. Das hat mich persönlich sehr geprägt und ich denke, dass die Reflektion auch für heute ein wenig nützen kann.
Interessant finde ich unter anderem, dass wir damals ziemlich breite und undogmatische Bündnisse hatten und unsere Strategie wenig organisationsegoistisch war. Aber gerade deshalb (auch) für die damalige FAU recht erfolgreich waren (auch wenn die Erfolge kampagnentypisch etwas strohfeuerhaftes hatten). In den stichpunktartigen Bemerkungen bzw der Conclusion am Ende des Textes findet sich folgende Passage:
“Eine emanzipatorische Massenbewegung in Ostdeutschland ist möglich. Nicht frei von Widersprüchen, aber möglich! Halten wir das fest und klammern uns dran!
Zugleich müssen wir uns die Frage stellen, warum das heute soweit weg zu sein scheint, warum der (in Teilen) selbe Frust, der damals Massen mit uns gemeinsam auf die Straße trieb, heute ein (nicht der Einzige) Motor ist für rechte (Pegida, AfD usw) oder rechtsoffene (Anti-Anti-Corona-Massnahmen, eine “Friedensbewegung”, die eher Unterstützungstruppe für das in jeder Hinsicht reaktionäre Putin-Regime zu sein scheint als eine antimilitaristische Bewegung, der ganze verschwörungsideologische Schrott…) Bewegungen und Proteste.
Diese in jeder Hinsicht deprimierende Situation einfach als gegeben und nicht veränderbar hinzunehmen, wäre Selbstaufgabe! Das wirft aber auch die Frage auf den Tisch, was wir falsch gemacht haben, was wir falsch machen.”
In diesem Sinne. Sehen wir uns am Sonnabend?
