Wjele zboža, Steinhaus!

Zehn Tage nach dem Berlinska Droha – Konzert, möchte ich dem Steinhaus noch einmal zum 35. gratulieren. Wir kennen uns auch wirklich schon lange!

Im Jahre 1996 war ich süße 17 und gerade zu Besuch bei meinen Großeltern. Ich hatte einen Iro und ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Ich Scheiss drauf deutsch zu sein”. Letzteres brachte mir auf dem Weg zum durch Bautzen gleich Schläge ein. Ach ja! Die romantischen 90er! Erschrocken aber nicht wirklich verletzt (Glück gehabt – das hätte auch anders ausgehen können), kam ich im Steinhaus an und traf auf Punks und Verständnis. Die Punks schrieben gerade Gedichte, tranken Bier. Ich trank mit ihnen. Anschließend zogen wir weiterhin biertrinkend durch die Stadt und streuten Hanfsamen in die Grünanlagen (keine Ahnung, ob die jemals aufgegangen sind). Ich war in späteren Jahren immer wieder im Steinhaus, mit und ohne Instrument, solo, mit Verwandtschaft und mit Berlinska Droha. Mit der Zeit verlor sich der Punk irgendwo im Gemäuer und spätestens seit der Sanierung versteckt er sich dort meist auch ganz gut. Das mag man bedauern. Zugleich brachte die größere Offenheit auch neue Leute und eine stärkere Verankerung in der Stadt mit sich. 2016, während der Auseinandersetzungen um jugendliche Geflüchtete auf dem Kornmarkt mit teils pogromartigen Situationen, sagte zum Beispiel ein Sozialarbeiter: “Bei uns lernen die Flüchtlinge an der Tischtennisplatte deutsch und die deutschen Jugendlichen vergessen ihre Vorurteile”.

Solche Orte kann es nicht genug geben!

Wichtig waren für mich und ein paar andere das “Wočiń woči”. Die erste Ausgabe war grosser Zauber!

Bei der zweiten Ausgabe goss die externe Security leider mit rassistischer Türpolitik (das genaue Gegenteil von dem, was wir mit dem Konzert/Festival wollten) etwas zu viel Wasser in den Wein. Schade! Aber es zeigt natürlich auch Schwierigkeiten und Widersprüche der Region auf. Trotzdem und gerade deshalb wäre es wichtig, an die Geschichte anzuknüpfen.

Für den weiteren Weg noch einmal mal ein altes Lied: Auf einer schönen sorbischen Melodie singen wir die traurige Geschichte eines deutschen Helden.

Möge das Steinhaus wachsen und gedeihen. Möge allen Stürmen der Zeit widerstehen!

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