Großstadt, Provinz und die (In)Effektivität antifaschistischer Strategien

Ein Interview mit Max aus dem ländlichen Sachsen

Polititische Organisierung findet heute auch in Chatgruppen statt, was eine Alternative zur durch kommerzielle Algorithmen strukturierten Welt der „sozialen Medien“ zu sein scheint. Vom Empfehlen theoretischer Texte über die Diskussion aktueller politischer Themen bis zur konkreten Organisation von Widerspruch und Widerstand, von Kampagnen gegen das Debanking linker Organisationen in Deutschland bis zum Kampf gegen ICE in den USA ist eine Menge Spannendes, Vorwärtsweisendes dabei. Gerade wenn wir in die USA schauen, scheinen Messenger das entscheidende Werkzeug beim Schutz der Nachbarschaften vor paramilitärischer Gewalt zu sein. Zugleich hat Organisierung über Messenger auch etwas Flüchtiges, hektisch Getriebenes, was es erschwert, weiter als bis zum morgigen Tag zu blicken. Dafür braucht es andere Formate.

However. Auf einem dieser Chats fand kürzlich eine Diskussion über Antifa und linke/anarchistische Organisierung aus einer dramatischen Minderheitsposition statt, wobei auch kontrovers über das oft widersprüchliche Verhältnis zwischen Großstadt und ländlichem Raum diskutiert wurde. Beispiel:

„Mobs from West Germany and Leipzig can travel to Riesa, Schwarzenberg, or Wurzen ten times, beat up a few Nazis, indulge in their male dominance cult in a black bloc, and then drive home again. Politically, this will have changed NOTHING for the better, but there is a lot of potential for the situation to worsen for the locals. Unfortunately, there are quite a few anti-fascist groups whose strategy boils down to “beat up Nazis and hold aggressive demonstrations -> revolution.”

Mit dabei Max, dem ich hier ein paar Fragen stellen darf:

Hallo Max. Schön, dass ich Dich ein paar Fragen fragen und mit Dir diskutieren darf. Du hast, bezugnehmend auf den Text von ungarischen Anarchist_innen zum Agieren von Antifas vor allem aus Deutschland in Budapest ein paar wichtige Fragen zu Antifaarbeit in rechts dominierten und dem nicht immer hilfreichen Agieren der Großstadt, bzw Metropolenantifa aufgeworfen. Darüber wollen wir gleich reden. Aber erzähl der geneigten Leserin doch erstmal wo Du herkommst.

Ich komme aus einem Arbeiter:innenhaushalt in einem kleinen sächsischen Dorf. Ich habe dort die Mittelschule in den 00er Jahren besucht. Wir hatten dort mit massiver Nazidominanz und Nazigewalt zu kämpfen. Von allen Leuten aus meiner Schulzeit kenne ich sonst niemanden, der sich in eine linke Richtung entwickelt hat. Von dort flüchtete ich so schnell ich konnte mit 15 Jahren weg. Angekommen in der Stadt (Dresden) organisierte ich mich anarchistisch, seit mittlerweile 15 Jahren in der FAU. Heute bin ich landwirtschaftliche Saisonkraft, v.a. im Gemüsebau. Ich arbeite und lebe einen Teil des Jahres in wechselnden Landkreisen Ostsachsens und bin da ganz gut vernetzt.

Was hat Dich in diesem Umfeld dazu gebracht, Dich anders zu orientieren als die Meisten?

Das ist eine wirklich gute Frage. Ich glaube v.a. hatte ich Glück mit meinem Elternhaus. Das waren eher anarchistisch tickende DDR-Oppositionelle aus der Blues-Bewegung, die viel gelesen und viel diskutiert haben. Die gaben mir Werte mit auf den Weg, die mich dann inkompatibel für die Stiefel-Nazis machten. Auch der liebevolle Umgang zu Hause miteinander stand im krassen Kontrast zu dem, was die Nazis da untereinander lebten. Auch mit den Männlichkeits-Rollenbildern konnte ich mich nie so ganz identifizieren, das half sicher auch, mich von den Kameraden nicht einfangen zu lassen. Ab einem gewissen Punkt war es aber auch einfach die Gewalt und Ausgrenzung, die ich von rechts erfuhr, die von deren Seiten die Fronten klärte. Also ohne die Nazis wäre ich nicht so links geworden, zumindest nicht so schnell.

Hast du Verbündete gefunden, dort auf dem Land?

Jain. Unsere Schule war extrem von Gewalt und Perspektivlosigkeit geprägt. Die Grenzen zwischen klassischer Hackordnung und Mobbing einerseits und politischen Motiven waren da fließend oder es wurde von rechts politisch geframed was eigentlich nur nach unten treten war. Ich musste erstmal die Erfahrung machen, dass Freund:innen nach Schulschluss nicht unbedingt Leute sind, auf die du dich in der Schule auch verlassen kannst. Also lange hatte ich keine wirklichen Verbündeten und war schwer suizidal. So ging es auch nicht wenig Leuten. In meiner Schulzeit hatten wir, glaube ich, drei Selbstmorde. Andere starben durch Suff und Verkehrsunfälle. Das ganze hatte nicht nur mit politischer Gewalt, sondern auch familiärem Missbrauch, dem allgemeinen Umgang vieler Lehrkräfte mit uns und anderen Faktoren zu tun. Über das Netz kam ich mit Subkultur in Kontakt, genauer mit den antifaschistischen Anteilen von Gothic- und Folk-Subkultur. Darüber habe ich dann den Mut gefunden mich mit den paar Gruftis, Punker:innen und Metaller:innen im Landkreis zusammen zu tun. Wir haben Veranstaltungen organisiert, angefangen bewaffnet unterwegs zu sein und uns gegenseitig zu schützen. Dadurch habe ich dann letztlich die letzten Jahre durchgehalten.

Hast Du “die Antifa” – was auch immer das ist – irgendwie wahrgenommen?

Nein, garnix. Es gab bei uns ein paar linke, ein paar Stufen über mir. Das waren die Nachwehen bei uns aus der Wendezeit, da gab es noch besetzte Häuser bei uns in der Kleinstadt und in ein paar Dörfern. Aber die haben teilweise auch schwere Gewalt erfahren. Auf einen wurde mal in der Schulzeit mit der Armbrust geschossen. Als ich noch in der Grundschule war, war einmal eine riesen Blutlache in der Kantine, weil einem der Linken ein Stuhl über den Kopf gezogen wurde. Ich war aber zu klein um die zu kennen und als ich größer war, waren sie weg gezogen, schwer depressiv oder drogenabhängig. In der 7. Klasse sah ich irgendwo auf meinem Schulweg mal ein A im Kreis. Aus irgendeinem Grund recherchierte ich, was es damit auf sich hat und hatte so das erste mal Kontakt mit Anarchismus. Prägend war auch folgende Erfahrung: Nach einem rechten Skandal ein paar Dörfer weiter gab es dann mal Presserummel. Eine antifaschistische Hiphop-Band aus Berlin wurde bei uns eingeladen. Sie spielten aber nicht, gingen nur einmal durch die Schule und wurden als absolute Aliens wahrgenommen. Die meisten von uns sahen da das erste Mal linke Migrant:innen aus der Stadt, denke ich. Danach bekamen wir zwei Sozialarbeiter:innen in die Schule. Alles war in meiner Erinnerung überhaupt nicht anmoderiert und wurde uns einfach so hingesetzt. Auch wenn wir uns sonst verdroschen und erniedrigten, waren wir schnell in der Frage geeint, wie wir zu diesen Sozialpädagog:innen stehen. Das Gefühl war: Unsere Schule ist abrissreif, unser Lehrmaterial aus den 70ern, unsere Lehrer:innen können ihre Fächer nicht, brüllen uns an und mobben uns – aber weil wir deswegen verhaltensauffällig sind, werden wir jetzt mit “Psycholeuten” aus der Großstadt wieder auf Linie gebracht. An unserer Schule lief viel schief aber direkte Aktion konnten wir, wir zerstörten in einer solchen Frequenz die Räume der Soz-Päds, dass sie nach einem halben Jahr wieder weg waren. Das waren meine Erfahrungen mit Linken abseits meiner subkulturellen Kontakte, bevor ich wegen der Ausbildung in die nächste Kleinstadt zog.

Was hätten diese Leute tun müssen um Euch Kleinstadtjugendliche aus der sächsischen Provinz abzuholen? Hätten sie überhaupt was machen können oder ist überhaupt dieser leicht paternalistische Ansatz das Problem?

Ich denke in diesem Schulsetting wäre es sehr schwer gewesen. Auch wenn wir uns in der Schule ordentlich gehasst haben, ich denke der projizierte Hass auf Leute auf dem Gymnasium und aus Großstädten war größer. Warum auf die Leute auf dem Gymnasium? Weil sie sanierte Schulen, modernes Unterrichtsmaterial hatten, weil sie meist eh aus den besseren Familien kamen und weil sie ihre alten Freund:innen nicht mehr mit dem Arsch anschauten, nachdem sich die Klassen (oft im wahrsten Sinne des Wortes) getrennt hatten. Es hätte Leute gebraucht, die nicht kommen, weil sie dafür bezahlt werden, uns wieder “gerade zu biegen”. So wenig wir von der Welt begriffen hatten, den Move verstanden wir. Gerade auch wegen den DDR-Biografien unserer Eltern vielleicht. Es hätte Leute gebraucht, die uns nicht mit der Moralkeule kommen, eher mit Randale. Denn auf Krawall waren wir wirklich fast alle gebürstet. Aber ich denke, die rechten Kids hätte mensch in dem Moment nicht erreichen können. Die hatten ihre Jugendclubs (dort fanden dank akzeptierender Jugendarbeit Nazi-Konzerte statt, bis später alle geschlossen wurden), Anerkennung von den Größeren, MoPeds, Identität. Aber uns anderen, die wir da raus fielen, uns hätte mensch mit sicheren Räumen und Aktionismus bekommen. Weil die rechte Hegemonie so stark war, gab es keinen Verein, keinen Sportclub oder irgendwas wo mensch sich hingetraut hätte. Räume ohne Nazis und Mobbing, da wäre ich vielleicht hingegangen. In manchen Dörfern gingen Leute deshalb zur jungen Gemeinde, obwohl nicht religiös. Manche wurden dadurch auch “Jesus Freaks”. Wir haben oft die Schule geschwänzt oder in der Schule randaliert und sabotiert, eine militante Schüler:innengewerkschaft hätte uns da vielleicht abgeholt. Oder Selbstverteidigungskurse gegen Nazis.

Wie bist du denn in Kontakt mit organisierten Linken gekommen?

Es war so eine Mischung aus einer Reihe von Faktoren. Aus Prekarität fing ich in der Ausbildung mit anderen AzuBis eine heimliche Hausbesetzung an. Parallel kam ich über Freunde zu einer mehrtägigen Gedenkfahrt ins ehemalige Ghetto Theresienstadt und über linkere Freund:innen erfuhr ich vom G8-Protest in Heiligendamm, der mich in meinem Bauch-Antikapitalismus abholte. Meine erste wirkliche Begegnung war dann der Protest gegen den jährlichen Naziaufmarsch in Dresden anlässlich der Bombardierung 1945. Da schloss ich mich der Antifa-Demo an, nachdem ich merkte, dass die Bürger:innen-Demo gar nicht daran denkt, WIRKLICH etwas dagegen zu tun, dass die Hunde an der Synagoge vorbei wollen. Naja, die Antifa-Demo hat mich dann so verstört, dass das beinahe mein erster und letzter Kontakt mit der Bewegung gewesen wäre. Sie war sehr vulgär-antideutsch und kam für mich einfach nur als menschenverachtend und seltsam rüber. “Glücklicherweise” waren die Cops an dem Tag heftig drauf und brachen mir Nase und Rippen, als ich mich zum Blockieren auf die Straße setzte. Es war meine erste Demo. Genoss:innen zogen mich mehrfach wieder raus, verarzteten mich auch mental und fuhren mich nach Hause aufs Dorf. Danach gab ich ihnen noch eine Chance und beschäftigte mich gleichzeitig mehr mit Anarchismus, da mein Glaube an die Polizei mit meinem Nasenbein zerbrochen war.

Was denkst du, was heute eine erfolgversprechende Antifa-Strategie in sächsischen Landschaften wäre?

Puh, schwierige Frage. Fangen wir mal damit an, was mensch vielleicht nicht machen sollte: Ich denke es gibt bestimmte Narrative, die von rechten Akteur:innen über linke gebetsmühlenartig wiederholt werden:
„Es gibt keine radikale Linke mehr. Wer radikal links auftritt, ist nicht von hier, ist nicht wie wir, ist nicht radikal sondern direkt von Staatsgeld, von DGB, SPD, Grünen oder anderen westdeutsch-städtisch assoziierten Playern in die Spur geschickt.“
Letztlich greift also genau der selbe Abwehrreflex der mich und meine Mitschüler:innen damals den Soz-Päds die Schlösser zukleben ließ. Die Hauptabwehr der Rechten ist also nicht, uns als radikale Linke anzugreifen, sondern uns als bezahlte Funktionär:innen eines verlogenen und doppelmoralistischen BRD-Establishment darzustellen. Das funktioniert deshalb so gut, weil es einen echten Kern hat. Uns allen fallen wohl sofort Beispiele ein, bei denen gestandene Linke das Wort “Kapitalismus” nicht mehr in den Mund nehmen, weil sie ihr Brot bei einer NGO verdienen und sich das dort nicht gehört. Und wir alle haben sicher auch hilflose, antifaschistische Miniproteste vor Augen wo mensch mit ein paar Anarchist:innen mit den drei, vier Leuten von den Grünen, der SPD, dem von Bundesgeldern finanzierten Demokratie- und Kulturverein und der Kirche auf dem Marktplatz der doppelten bis zehnfachen Menge an AfD-Anhänger:innen gegenüber steht. Und weil mensch selbst in diesem Bündnis keine Schnittmengen hat, hat mensch auch keine eigenen Inhalte, nur ein wenig überzeugendes “Dagegen”.
Die Alternative ist dann oft das, was ich antifaschistische “Ork-Armee” nennen würde. Ein Mob in schwarzer Montur, die ihren Sinn völlig verliert, weil mensch sich damit nicht anonym macht sondern mit den 150 Leuten, mit denen mensch aus der Großstadt in die Kleinstadt einfällt, nur markiert, ein unauffälliges Bewegen durch die Stadt völlig verunmöglicht und die maximal noch den Zweck hat, bedrohlich zu wirken. Meist reitet diese Masse mit 0 Vor- und Nachbereitung ob der eigentlichen Situation vor Ort und v.a. ohne jede Strategie in das Kaff ein, beleidigt bestmöglich einfach alle die mensch trifft, am besten noch klassistisch mit dem shamen ostdeutscher Prolet:innennamen, weil mensch die in seiner Wessie-Studie-Sören-Familie nicht kennt. Mensch verbreitet also 1-3h Posertum, handelt sich vielleicht noch ein paar sinnfreie Anzeigen ein und fährt dann wieder nach Hause. Das einzige Ziel, das dabei erreicht wurde, ist in einer Kleinstadt bekannt zu machen, dass Antifas ungefähr die unmöglichsten Menschen der Welt sind und den „Freien Sachsen“ Bild- und Videomaterial für die nächsten Monate zu liefern. Aber es fühlt sich halt an, als hätte mensch ganz schön was gemacht. Und das ist ein grundlegendes Problem der deutschen Linken: Eine Analyse der eigenen politischen Wirksamkeit bleibt bei den vielen linken Bewegungen, auch in den antifaschistischen Kontexten, leider komplett aus. Es geht darum, sich gut zu fühlen, nicht darum etwas zu verändern.

Hast du einen Gegenvorschlag zu diesen wenig erfolgversprechenden Konzepten? Bzw. zumindest ein paar Ansatzpunkte dafür?

Es ist sicher schon rum gekommen, wo ich ein Hauptproblem sehe. Antifaschismus wird als von außen kommend wahrgenommen. Die Leute sehen überhaupt keine Anknüpfungspunkte zu ihrem Leben. Das ist eine Entfremdung, die mensch nicht mit einfachen und schnellen Mitteln in den Griff bekommt, was angesichts der dramatischen Lage natürlich schlecht ist. Eine Grunderkenntnis ist erstmal, dass die Entfremdung beidseitig ist. Auch Leute, die wie ich aus dörflichen Handwerksmilieus kommen, haben sich oft komplett abgegrenzt von ihren Herkunftgemeinschaften. Das hat zum, Teil mit den Traumata zu tun, die viele von uns erlitten haben, oft aber auch einfach mit dem Anpassungsdruck, den es in städtischen linken Szenen oft gibt. Die Abgrenzung hat oft ja auch gute Gründe, wenn wir bspw. wenig damit anfangen können sich gegenseitig NIE ausreden zu lassen, SUV zu fahren oder vorsätzlich verletztende und diskriminierende Begriffe zu benutzen um den “eigenen”, besonders spitzfindigen politischen Humor zur Schau zu tragen. Aber wir machen es den Rechten oft zu einfach und verraten uns auch oft selbst.

Aus meiner Basisarbeit weiß ich, dass du zum Beispiel durchaus queer und anarchistisch sein kannst, wenn die Leute trotzdem noch ein paar Anknüpfungspunkte lieferst. Also ich mein auf wenig gehen rechte Milieus (und alle anderen) auf dem Land so steil wie auf gendern und Veganismus zum Beispiel. Aber es hilft schon was, wenn du auf dem Dorf wohnst, vielleicht keinen akademischen Beruf hast, Langlauf fährst, traditionell sächsisch klettern gehst, Perlpilze sammelst, strickst und queeres Vokabular in breitester sächsischer Mundart verbreitest, zum Beispiel. Oder wenn du über DDR-Biografien Bescheid weißt und dafür Interesse zeigst. Oder auch nur, wenn du viele überdrehte Grabenkämpfe einer um sich selbst drehenden Szene-Linken auslässt und konsequent darüber reden willst, wie mensch jetzt dieses sterbende System und die damit einhergehende Gewalt (auch, aber nicht nur Nazi-Gewalt) in den Griff bekommt. Das hat natürlich alles Grenzen und ich will das nicht relativieren. Die Gefahr von Retraumatisierung ist genauso real, wie der Fakt, dass mensch das als BPOC-Person vielleicht einfach nicht machen will, weil mensch einfach immer noch jeden Tag mit übelster, rassistischer Scheiße konfrontiert ist. Ein anderer Punkt ist die Wahl der Kampffelder: Auch wenn für einen selbst die AfD vielleicht das drängendste Problem ist, muss mensch erstmal hinnehmen, dass es das für viele andere nicht ist. Es kann effektiverer Antifaschismus sein, eine gute Erwerbslosenstruktur auf die Beine zu stellen, sich zur Speerspitze einer Bewegung für bessere ÖPNV-Verbindung im Dorf zu machen, Frauen-Yoga im Dorf anzubieten als Keimzelle einer feministischen Vernetzung… Die geringe Kreativität und die geringen Ambitionen strategisch zu denken und den Leuten mit ihren obenaufliegenden, nicht chauvinistischen Themen zuzuhören, finde ich da oft erhellend. Dazu kommt noch: Auch im Feld der Sozialpolitik kann mensch oft gut gegen die AfD schießen, weil das oft Kleinbürger:innen sind, die sich gern von der Gemeinde in die eigene Tasche wirtschaften. Die AfD in ihrer Rolle als korrupte und marktliberale “Parteibonzen” anzugreifen ist meiner Erfahrung nach sehr effektiv. Bei den Bäuer:innenprotesten waren sie bspw. sehr schnell nicht mehr willkommen, nach dem die entsprechenden Stellen ihres Parteiprogramms unter den Bäuer:innen breit getragen wurden. Schlussendlich muss die Strategie aber kurz und bündig heißen: Seid auf dem Land präsent, seid auch in handwerkliche Berufen präsent, pflegt dort echte Beziehungen und versteckt euch nicht mit euren radikalen Ansichten aus unnötiger Rücksicht auf bürgerlich-liberale Bündnispartner:innen. Meint es ernst mit euren radikalen Ansichten und entwickelt echte, gesellschaftliche Gegenkonzepte – denn darauf warten die meisten, auch viele von denen, die heute noch AfD wählen.

Vielen Dank, Max! Ist da noch was, das gesagt werden muss?

Ich denke eine Menge Menschen sind gerade eigentlich auf der Suche nach Antworten. Sie finden den Kapitalismus scheiße, sie sehen, klarer als viele Linksliberale, dass dieses System hier am Ende ist, sie haben keinerlei Vertrauen in Parteien mehr, auch nicht in die AfD, selbst wenn sie sie wählen. Die Linke hat aber auch nur Phrasen, keine Idee davon, wie wir die Wirtschaft vergesellschaften, was Alternativen zu diesem politischen System wären. Solange wir keine Ideen entwickeln und vermitteln können, werden wir verlieren. Wie das aussähe, das will mensch sich lieber nicht vorstellen. Ich bitte daher alle: Lasst uns ernsthaft auf die Suche nach Antworten gehen, wie ein anderes Wirtschaftssystem und ein anderes politisches System ganz konkret aussehen und umgesetzt werden kann. Es ist mehr als nötig. Ich denke dafür helfen große, radikale aber herzliche Basisorganisationen.

PS.: An dieser Stelle sei auch noch einmal laut gerufen: SOLIDARITÄT MIT MAJA! FREE ALL ANTIFAS!

Einen guten Einblick (mit anderen Schlüssen allerdings) zur Situation im kleinstädtischen Ostdeutschland (in diesem Fall das Randberliner Königs Wusterhausen) gibt dieses schöne Interview mit Thomas J..

Zu den Prozessen rund um den Budapest-Komplex sei www.basc.news empfohlen. Zur sogenannten “Antifa Ost” (ein Konstrukt, das so nie existiert hat), lest weiter auf www.antifaostkomplex.org.

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